Der heilige Bürokrazius: Eine heitere Legende by Rudolf Greinz

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By Jacob Brown Posted on Dec 22, 2025
In Category - Alien Worlds
Greinz, Rudolf, 1866-1942 Greinz, Rudolf, 1866-1942
German
Ever feel like paperwork is a modern curse? Rudolf Greinz’s 1921 gem, 'Der heilige Bürokrazius,' imagines it’s been a plague for centuries. This playful legend follows a medieval monk, Bürokrazius, who is so obsessed with perfecting the monastery’s filing system and rulebooks that he forgets the whole point of spiritual life. The real mystery isn't a crime—it's whether the relentless pursuit of order can actually destroy the soul it's meant to protect. It’s a short, witty read that feels shockingly relevant for anyone who’s ever been buried in forms or pointless meetings. Think of it as historical fiction with a very modern wink.
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bedauerlichen und schier unbegreiflichen Bildungsmangels schuldig macht. Oder solltet ihr wirklich noch nichts von dem hochwürdigen Pater Hilarius gehört haben? Das stellet euch gar kein gutes Zeugnis aus. Ihr seid offenbar zu sehr verstrickt in den faulen Zauber aller Weltlichkeit, als daß euch der Pater Hilarius schon begegnet wäre. Also will ich mich in christlicher Erbarmung über euren unverantwortlichen Bildungsmangel hinwegsetzen und euch vom Pater Hilarius erzählen. Der Pater Hilarius war natürlich ein Tiroler, wie überhaupt alle gescheuten Menschen Tiroler sind. Von seinem Geiste werdet ihr noch ganz erklecklich genug zu spüren und zu schmecken bekommen. Demnach können wir uns vorerst mehr mit seiner hochwürdigen Leiblichkeit befassen. Um euch ein allgemeines Bild von dem berühmten Pater zu geben, möchte ich euch zu Gemüte führen, daß er von außen rund und von innen naß war. Die äußere Rundlichkeit stammte von genügender und mit gebührender Andacht aufgenommener Atzung. Die innere Nässe oder Feuchtigkeit leitete ihren Ursprung von geistigen Flüssigkeiten her, die der hochwürdige Pater mit einer womöglich noch größeren und tieferen Andacht seinem sterblichen Leichnam einverleibte. Darunter spielte der Wein eine hervorragende Rolle. Glaubet aber deswegen ja nicht, daß der hochwürdige Pater Hilarius ein Fresser und Schlemmer und ein gottloser Säufer war. Wie ich euch bereits gesagt habe, geschah alles mit der gebührenden Andacht. Der hochwürdige Pater Hilarius betrachtete Essen und Trinken als ein Gott wohlgefälliges Fest, das man nicht hoch genug feiern konnte. Er huldigte dem erhabenen Grundsatze, daß Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhalte. Und diesem notwendigen Zusammenhalt brachte er so manches Opfer. Es ist auch jedermann, der auf einen guten Bissen und einen guten Trunk nichts hält, ein langweiliges Individuum, dessen Erschaffung sich der liebe Herrgott hätte ersparen können. Ich habe weiter oben die Behauptung aufgestellt, daß überhaupt alle gescheuten Menschen Tiroler sind. Obwohl diese Behauptung aus dem Spruchschatze des Pater Hilarius stammet und dahero eigentlich keiner weiteren Begründung bedürfte, will ich euch den Beweis dafür doch nicht schuldig bleiben. Bekanntlich meldet die Volkssage, daß die Tiroler erst mit vierzig Jahren gescheut werden. Nachdem aber, wie aus dem Nachfolgenden nur zu deutlich hervorgehen wird, die ganze Menschheit nichts anderes ist, als ein großer Stall von Rindviechern, haben die Tiroler wenigstens noch eine Möglichkeit und einen festgesetzten Termin zum Gescheutwerden, während eine solche Möglichkeit oder ein derartiger Termin für die übrigen Menschen außerhalb Tirols nicht bekannt ist. Ein anderes wichtiges Momentum, das gleichfalls den Forschungen des hochwürdigen Pater Hilarius entstammet, soll hier zum erstenmal einer breiteren Öffentlichkeit übergeben werden. Nämlich, daß die Gescheutheit der Tiroler ihren Urgrund in den Speckknödeln hat. Die Speckknödel sind die Nationalspeise und das Lieblingsgericht aller Tiroler. Durch einen ganz eigentümlichen chemischen Prozeß, über den sich der hochwürdige Pater Hilarius sehr eingehend verbreitet, haben die Speckknödel die merkwürdige und nicht genug zu schätzende Eigenschaft, daß sie zu einem großen Teile unmittelbar als Phosphor ins Gehirn gehen. Diese Ansammlung von Phosphor erreichet genau beim vollendeten vierzigsten Lebensjahre eines jeden Tirolers einen derartigen Höhepunkt, daß die Gescheutheit mit der Sicherheit eines physikalischen Experimentes von selbst in Erscheinung tritt. Die diesbezüglichen grundlegenden Forschungen des hochwürdigen Pater Hilarius erlaube ich mir ganz bewußt zu unterschlagen. Sonst wollte eines Tages die ganze Welt Speckknödel fressen, um auch so gescheut zu werden wie wir Tiroler. Das ginge uns just noch ab. Wir haben ohnedies immer zu wenig Speck, namentlich in den gegenwärtigen teuren Zeiten. Weil nun die Tiroler Speckknödel die angebetete Leibspeise des hochwürdigen Pater Hilarius waren und er sie auch fleißig mit Wein begoß, um den chemischen Prozeß der Phosphoreszierung möglichst zu beschleunigen, hat er es zu einem ganz besonders hohen Grade der Gescheutheit gebracht, der ihn befähigte, seine weltberühmte...

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First published in 1921, Rudolf Greinz's Der heilige Bürokrazius is a clever little fable dressed up as a medieval legend. It's a quick read, but it packs a punch that still lands today.

The Story

The book introduces us to Bürokrazius, a monk in a medieval monastery. He's not your typical holy man focused on prayer or charity. Instead, he finds his true calling in administration. Bürokrazius becomes utterly devoted to creating the perfect cataloging system for the monastery's library, drafting exhaustive rules for daily conduct, and ensuring every piece of parchment is in its proper place. His zeal for paperwork and procedure slowly starts to overshadow the monastery's original spiritual mission, turning faith into a matter of correct form-filling.

Why You Should Read It

What's amazing about this book is how fresh it feels. Greinz isn't just poking fun at medieval monks; he's holding up a mirror to any era ruled by red tape. You'll see bits of your own workplace, government agencies, or even rigid social structures in Bürokrazius's world. The humor is gentle but sharp, and the central question—when does helpful organization become a soul-crushing system?—is timeless. It’s a story about losing the forest for the trees, written with a smile.

Final Verdict

This is a perfect pick for readers who enjoy historical satire or smart, concept-driven stories. If you've ever chuckled at Dilbert or felt a pang of recognition reading Kafka's The Trial (but want something much lighter), you'll get a kick out of this. It's also ideal for anyone interested in early 20th-century Austrian literature that doesn't take itself too seriously. A charming, insightful escape that proves some struggles are truly eternal.



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