letzte, was wir besitzen, die Heimat erst lieb und wert macht. Bei der Bemessung eines freiwilligen Weihnachtsbeitrages für uns, der zur Beschaffung des Papiers für unsre nächstjährigen Mitteilungen verwendet werden soll, bitten wir an die heutigen Kosten der illustrierten Zeitschriften und der Tageszeitungen zu denken, um einen Maßstab für unsre Leistungsfähigkeit zu erhalten. Von der Höhe der eingehenden Beträge wird das weitere Erscheinen unsrer Mitteilungen wesentlich abhängen. Wir bitten daher herzlich, uns im schweren Kampf ums Dasein auch weiter zu helfen und dadurch die größte sächsische Kulturbewegung lebensfähig zu erhalten zur eigenen Freude. =Mögen alle bedenken, daß bei uns eine Arbeit geleistet wird, wo uns kein politischer Trennungsgraben zerklüftet, auf der uns und unsren Nachfahren eine verjüngende Freude an Heimat und Vaterland erwachsen wird.= =Weihnachten 1922.= =Landesverein Sächsischer Heimatschutz= =Dresden-A., Schießgasse.= Band XI, Heft 10/12 1922 [Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden] Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern herausgegeben Abgeschlossen am 1. November 1922 Weihnachtsspiele der Sächsischen Oberlausitz Von _Friedrich Sieber_, Crostau bei Schirgiswalde Ich weiß noch, wie freudig erregt wir Chorjungen eines kleinen Dorfes der Südlausitz am ersten Adventsonntag auf unsren Chorplätzen saßen, wie wir mit hellen Stimmen der festlichen Gemeinde das strahlende Lied entgegenjubelten: »Macht hoch die Tür, die Tor’ macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit!« Lag doch das Totenfest mit seinen Novembernebeln und düstern Melodien hinter uns, war doch endlich die gleichförmige Zeit der festlosen Trinitatissonntage vorüber! Nun war die Zeit wieder ahnungsreich geworden. Schnee und Weihnachten dufteten von ferne. Und am Abende kamen die ersten Boten des hellen Festes: das Christkind mit seiner wunder- und schauerreichen Begleitung zog durch das dunkle, schweigende Dorf ... Weihnachtsspiele sind bis zur Gegenwart in vielen Ortschaften der Oberlausitz lebendig geblieben. Aber von Jahr zu Jahr werden die Aufführungen seltner. Die Kinder spielen die Stücke für sich als Kinderspiel. Dadurch werden Texte und Melodien immer entstellter. Oft flattern nur noch schwerverständliche Bruchstücke durch die Köpfe. Und doch lassen die Trümmer des noch Vorhandenen deutlich erkennen, daß in unsrer Heimat die Überlieferung einst so üppig und breit strömte, wie etwa in Schlesien. (Vergleiche das erschöpfende Werk Friedrich Vogts: Die schlesischen Weihnachtsspiele, Teubner 1901.) Die Oberlausitzer Weihnachtsspiele zerfallen ihrem Stoffcharakter nach in drei Gruppen: Adventspiele, Christgeburtspiele, Herodesspiele. Innerhalb der Oberlausitz bestehen in der Spielüberlieferung augenscheinliche landschaftliche Besonderheiten. In der nördlichen Lausitz ist die Überlieferung offenbar treuer und reichhaltiger. Vielleicht ist dies durch die überwiegend landwirtschaftliche Bevölkerung bedingt, vielleicht auch durch den Einfluß wendischen Volkstums, das volkstümlichen Überlieferungen ausgeprägt konservativ gegenüberzustehen pflegt. In der Südlausitz ist das kurze Adventspiel, aus drei oder vier Personen bestehend, gebräuchlich. Zu dieser Art gehört auch das von Kruschwitz in den »Bunten Bildern aus dem Sachsenlande« mitgeteilte Spiel vom Eigenschen Kreise. Engel, Christkind, Ruprecht treten nacheinander auf. Der Engel übernimmt die Rolle des Ankündigers, des Anklägers der Kinder, und als das Christkind daraufhin Ernst macht, mit seinen Gaben zurückzuhalten, die Rolle des erfolgreichen Verteidigers. Das Christkind, von einem Mädchen gespielt, ist milde, sanfte Schenkerin. Der Ruprecht spielt die eigentlich pädagogische Rolle. Das Ziel seines Auftretens ist Einschüchterung, die als erste Stufe zur Besserung betrachtet wird. Worte und Gebaren sind aber mit so reichlicher Plumpheit und gewollter Komik verbunden, daß er nur bei den ganz Kleinen seinen Zweck erreicht, für die Größeren wird er zur lustigen Figur, die allerdings noch mit einem angenehmen Gruseln umwoben ist. Die drei immer wiederkehrenden Forderungen, die Ruprecht den Kindern auferlegt und worüber er sie examiniert, sind: Ihr sollt fleißig beten! Ihr sollt fleißig in der Schule sein! Ihr sollt den Eltern gehorchen! In der Zittauer Gegend wird das Spiel durch die Einführung des Petrus erweitert. (Vergleiche die von Paul...
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Aiden Miller
11 months agoI started reading out of curiosity and the author's voice is distinct and makes complex topics easy to digest. I couldn't put it down.